Wirtschaft einfach erklärt

Wie funktioniert unser Geld- und Bankensystem?

Ein Mythos über das Geld

Was passiert eigentlich mit dem Geld, das wir auf unseren Bankkonten lagern? Die weit verbreitete Vorstellung: Die Bank leiht es sich von uns, zahlt im Gegenzug dafür Zinsen und verleiht das Geld in Form von Krediten an andere weiter.

 

Falsch! Oder besser gesagt: Nicht ganz richtig.

 

Der Geldkreislauf ist weitaus komplexer und vielen Menschen ist es noch heute ein Rätsel, wie dieses System funktioniert. Dabei sind die Prozesse der Geldschöpfung und Geldvernichtung gar nicht so schwer nachzuvollziehen.

 

“Würden die Menschen das Geldsystem verstehen, hätten wir eine Revolution noch vor morgen früh.”

Dieses berühmte Zitat stammt von niemand Geringerem als Henry Ford, dem Gründer der Ford Motor Company. Es trifft insofern zu, dass die Vorstellung von “Geld aus dem Nichts schaffen” für viele von uns kaum nachvollziehbar erscheint. Denn würde das nicht zu einem unendlichen Geldzuwachs führen?

 

Die kurze Antwort: Nein! Die lange Antwort folgt jetzt.

 

Wie Banken Geld aus dem Nichts schaffen

Angenommen, Johanna verdient mit Nachhilfe 100 Euro und möchte diese auf der Bank sparen. Sie erhofft sich dabei etwa zwei Prozent Zinsen auf ihr Guthaben. Sie geht also zur Bank und zahlt ihre 100 Euro auf ihr Bankkonto ein. Die Bank erhält dadurch 100 Euro, und Johanna erhält eine Gutschrift über denselben Betrag. Dieses Geld wird als Giralgeld oder Buchgeld bezeichnet.

Die Bank bildet mit den 100 Euro Rücklagen, da sie gesetzlich dazu verpflichtet ist, mindestens ein Prozent bei der Zentralbank an Rücklagen zu hinterlegen. Diese Rücklagen nennen sich Mindestreserve und die Geschäftsbanken hinterlegen diese auf dem Konto der Zentralbank.

 

Was bedeutet das für Johannas 100 Euro?

Die Bank führt ein Prozent, also 1 Euro, als Mindestreserve an die Zentralbank ab und darf im Gegenzug einen Kredit über 99 Euro beispielsweise an Familie Maier vergeben. Durch diese 99 Euro, schafft die Bank auf dem Konto der Maiers praktisch eine Erhöhung des Kontostands aus dem Nichts. Dafür bekommt die Bank über den Zeitraum, indem die Familie Maier den Kredit abbezahlt, Zinsen, die höher sind als die, die Johanna für ihr Erspartes bekommt. Diese Zinsdifferenz wird dann als Profit für die Bank verbucht.

 

Nun existieren 100 Euro Giralgeld auf Johannas Konto und 99 Euro Giralgeld auf dem Konto der Maiers. Die Geldmenge hat sich also fast verdoppelt. Wenn die Maiers dieses Geld allerdings ausgeben, wandert das Giralgeld auf ein anderes Konto, möglicherweise bei einer anderen Bank, womit sich der Prozess wiederholt. Die Bank hinterlegt ein Prozent als Mindestreserve bei der Zentralbank und kann den Restbetrag als neuen Kredit ausgeben. Dieser Prozess wiederholt sich so lange, bis der Betrag durch die Mindestreserveanforderungen der Zentralbank so weit reduziert wird, dass er verschwindend gering ist. Aber solange, bis dies der Fall ist, wächst die Menge an Giralgeld munter weiter.

 

Also im Grunde nicht so weit weg, wie anfangs beschrieben - nur in einer sehr viel größeren Dimension. Aber wenn Banken das Vielfache der Geldmenge, die bei ihr gespart wird, aus dem Nichts schaffen und in den Umlauf bringen, müsste die gesamte Geldmenge ja eigentlich ziemlich schnell wachsen. Das tut sie allerdings nicht.  

 

Geld wird wieder zu nichts

Ein Kredit stellt Geld dar, das sich nur kurz im Umlauf befindet, damit wirtschaftliche Werte damit geschaffen werden können. Familie Maier nutzt ihren Kredit für Anschaffungen und beginnt daraufhin, ihre Schulden damit Zinsen an die Bank zurückzuzahlen. Die Bank behält die Zinsen als ihren Profit, aber was passiert mit den 99 Euro, die vorher geschaffen wurden?

 

Ganz einfach: Es verschwindet in dem Moment, indem die Bank das Geld von Familie Maier zurückerhält. Dieser Vorgang nennt sich Geldvernichtung. Somit werden auf diese Weise Giralgeldbeiträge vernichtet, sodass der Kreditnehmer den Kredit getilgt hat, woraufhin die Bank den Geldbetrag aus ihrer Bilanz streicht.

 

Die Rolle der Zentralbank

Nun wissen wir, wie Giralgeld entsteht. Aber woher kommt unser Bargeld und wie wird es in den Umlauf gebracht? 

 

Deutschland ist als Teil der Eurozone an die Europäische Zentralbank (EZB) gebunden. Ihre Hauptaufgabe besteht darin, die Stabilität unseres Geldsystems zu gewährleisten, wozu sie wichtige Instrumente wie den Leitzins nutzt.

 

Die EZB kann den Geldschöpfungsprozess antreiben, indem durch einen niedrigen Leitzins Kredite günstiger werden und Menschen Kredite aufnehmen, wodurch die Giralgeldmenge steigt. Hingegen kann sie den Geldschöpfungsprozess einschränken, in dem sie den Leitzins erhöht, womit die Kreditnachfrage und das Wachstum der Giralgeldmenge gedämpft wird.

 

Darüber hinaus steuert die EZB den Mindestreservesatz, um Banken entweder mehr Geld schöpfen zu lassen, was mit einem niedrigeren Mindestreservesatz einhergeht, oder andererseits die Banken wenig bis gar kein Geld schöpfen zu lassen, was mit einem hohen Mindestreservesatz einhergeht.

 

Des Weiteren ist die EZB die einzige Bank, die Bargeld schaffen darf. Dieses sogenannte Zentralbankgeld umfasst das im Umlauf befindende Bargeld, die Kassenbestände der Geschäftsbanken sowie die Mindestreserven, die bei der EZB hinterlegt werden müssen. Das Zentralbankgeld ist dabei außerdem das Geld, mit dem Banken untereinander Geschäfte machen. Jede Geschäftsbank hat ein Konto bei der Zentralbank, wo sie neben ihren Mindestreserven ihr Guthaben an Zentralbankgeld hält, was Überschussreserve genannt wird. Wenn eine Geschäftsbank nun Bargeld benötigt, für den Fall, dass ihre Kunden Geld abheben möchten, dann kann sie dieses Bargeld von der Zentralbank erhalten, indem sie ihr Guthaben an Zentralbankgeld verringert.

 

Probleme und Risiken

Vielleicht habt ihr schon mal den Ausdruck “Geld ist materialisiertes Vertrauen” gehört und euch darüber Gedanken gemacht, was das überhaupt heißen könnte. Was bedeutet das?

 

Geld hat nur deshalb einen Wert, weil wir ihm diesen zuschreiben. Was hoch philosophisch klingt, kann eigentlich wörtlich genommen werden. Unser Geldsystem sowie das System der Geldschöpfung basieren darauf, dass nicht alle Menschen gleichzeitig den Anspruch auf Geld von der Bank geltend machen. Somit vertrauen wir einerseits darauf, dass unser Giralgeld jederzeit in Bargeld umgetauscht werden kann, während Banken darauf vertrauen, dass Kreditnehmer ihre Kreditschulden tilgen. Denn wenn dies nicht passiert, dann bleiben die Banken auf diesen Forderungen sitzen, was Banken in die Zahlungsunfähigkeit treiben könnte, womit außerdem Bankkunden, die lediglich ihre Ersparnisse auf den Konten gelagert hatten, Geld verlieren könnten.

 

Deshalb gibt es zahlreiche Sicherheitsmaßnahmen, die dafür sorgen, dass Kredite nicht bedenkenlos an jeden ausgegeben werden.

Die Banken prüfen dabei beispielsweise, dass die Kreditnehmer ein gewisses Eigenkapital aufweisen, damit eine Absicherung zur Rückzahlung des Kredits vorhanden ist. Darüber hinaus regulieren, neben dem Leitzins der EZB und dem Mindestreservesatz weitere Faktoren die Menge der erlaubten Geldschöpfung. So gibt es eine Liquiditätsverordnung, die den Banken vorschreibt, was sie einzuhalten haben, um liquide, also zahlungsfähig zu bleiben. Dadurch dürfen Banken lediglich eine begrenzte Anzahl an Krediten ausgeben, damit sie gegenüber ihren Kunden stets zahlungsfähig bleiben.

 

Fazit

Banken schaffen Geld, indem sie Kredite an ihre Kunden vergeben, und vernichten dies, sobald die Kredite getilgt werden. Um die Menge an Giralgeld und der Kreditnachfrage zu kontrollieren, schreibt die EZB einen Mindestreservesatz an die Banken vor, den sie auf ihren Konten bei der EZB zurückhalten müssen, und nutzt außerdem den Leitzins.  Um zu garantieren, dass die Kredite zurückgezahlt werden, müssen die Kreditnehmer gewisse Anforderungen erfüllen, damit die Banken eine Garantie haben, dass sie den Kredit zurückbezahlt bekommen. Der gesamte Prozess wird als Geldschöpfung beziehungsweise Geldvernichtung bezeichnet.

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