Bestimmt ist jeder von uns schon einmal gegen Ende eines warmen Septembers durch den Supermarkt gelaufen und auf einmal verwundert an einem großen Regal, gefüllt mit Lebkuchen, hängen geblieben.
Bei der Frage, ob es mitten im Sommer schon angebracht sei, weihnachtliche Leckereien, die man eigentlich erst ein Vierteljahr später erwartet hätte, anzubieten, scheiden sich die Geister. Während die einen ihren Sommer und Herbst bis zum Ende möglichst ohne rote Glaskugeln und zimthaltiges Gebäck verbringen wollen, können die anderen die kalte Jahreszeit kaum erwarten und greifen auch schon etwas früher zur ersten Packung Lebkuchen.
Aber ist September nicht auch dafür etwas zu früh? Warum sollten Supermärkte und Discounter Großbestellungen an Lebkuchen anbieten?
Die Antwort ist: Weil es sich lohnt! Die Weihnachtssaison ist besonders für den Einzelhandel, aber auch viele andere Branchen, eine der gewinnbringendsten Zeiten im Jahr. Generell kann man behaupten, dass Wirtschaft und Weihnachten mehr miteinander zu tun haben, als vielleicht erwartet, sowohl in positiven, als auch in negativen Aspekten. Welche das sind, sehen wir uns in diesem Artikel an.
Hohe Gewinne in vielen Branchen…
Für einen Großteil der Deutschen heißt Weihnachten: Weihnachtliche Dekorationen, Geschenke und gutes Essen - zumindest für die, die es sich leisten können. Denn, dass der Einzelhandel in der Weihnachtszeit traditionell seine umsatzstärkste Periode im ganzen Jahr hat, kommt nicht von ungefähr. Bei vielen steigt in der Weihnachtszeit die Lust, Konsumgüter zu kaufen und auch dank Weihnachtsboni, also einer zusätzlichen finanziellen Aufmerksamkeit des Arbeitgebers für die Festtage, sitzt das Geld bei dem einen oder der anderen etwas lockerer. Das hat beträchtlichen Einfluss auf die Einnahmen der Geschäfte. Im Jahre 2024 allein sollen Kunden laut Prognosen des HDE (Handelsverband Deutschland) etwa 121,4 Milliarden Euro im deutschen Einzelhandel ausgeben. Zur Relation: Der gesamte Einzelhandelsumsatz für 2024 soll sich dann mit den letzten Einnahmen auf insgesamt 657 Milliarden Euro summieren.
Aber auch der Online-Handel geht keinesfalls leer aus. In Zeiten, wo alles, was man im Einzelhandel erwerben kann, auch gemütlich vom heimischen Sofa durch einen Klick auf das Smartphone erstanden werden kann, machen viele Gebrauch von dieser Bequemlichkeit - vor allem bei den kalten Temperaturen. Gerade, wenn man seinen Lieben etwas ganz bestimmtes zu Weihnachten schenken will, hat das gezielte Suchen und Finden im Internet seine Vorteile. Für die diesjährige Weihnachtszeit prognostizierte Statista Anfang November, dass der Online Vertrieb in Deutschland etwa 87,1 Milliarden Euro verdienen wird, was einem Anteil von fast 18 Prozent des gesamten Jahresumsatzes entspricht. Der vermehrte Vertrieb über das Internet führt aber auch zu Innovation in Logistik und im Kundenservice, wovon letztendlich auch wir Konsumenten wieder profitieren.
Ein weiterer Sektor, den die Weihnachtszeit ankurbelt, ist die Tourismus- und Reisebranche. Zum einen, weil besondere Reiseziele, wie ausgefallene Weihnachtsmärkte, Festlichkeiten und ähnliche Events in andere Städte locken, zum anderen weil auch kleinere Urlaubsreisen gerne mal zum Geschenk gemacht werden. Zudem treibt es eine Menge Ski- und Snowboardfahrer in die Berge, was dazu führt, dass gerade wir Deutschen in der Weihnachtszeit viel Geld für den Wintersport ausgeben. Als kleinerer Faktor treiben natürlich auch Besuche bei Verwandten über die Feiertage die Gewinne an, da die Nachfrage nach Mietfahrzeugen, Zug- und Flugreisen stark erhöht ist.
Zuletzt aber schafft eine höhere Nachfrage: mehr Arbeit! In der profitreichen Weihnachtssaison allemal. Dabei sind häufig vor allem Saisonarbeiter gefragt, welche allerdings nur mäßig qualifiziert sein müssen, um ein paar Monate aushelfen zu können. Amazon allein hat im Jahre 2015 nach eigenen Angaben rund 10.000 befristete Stellen nur für die zusätzliche Arbeit der winterlichen Saison ausgeschrieben. Aber auch für andere Unternehmen ist die Weihnachtszeit ohne Aushelfende gar nicht zu bewältigen.
…doch zu welchem Preis?
Viele der oben genannten Vorteile bringen allerdings auch negative Aspekte mit sich. Weil für viele die Wahrnehmung von Weihnachten, als die Zeit der Besinnung und Nächstenliebe, eher aus den Augen verloren haben und es vermehrt als Möglichkeit zum Konsumieren sehen, was natürlich im engen Zusammenhang der Vermarktung Weihnachtens von Unternehmerseite steht, ist das Beschenken mit kostspieligen Konsumgütern immer weiter in den Vordergrund gerückt. Da ist es kaum verwunderlich, dass laut einer Umfrage aus dem Jahr 2022 fast 30 % der Deutschen bereit wären, für Weihnachtsausgaben ihr Konto zu überziehen. Immerhin war die Zahl der Menschen, die sich für Weihnachten verschulden würden, im Vergleich zum Jahr davor gesunken, dennoch könnte man diesen Sachverhalt als Problem sehen.
Ein wachsender Druck liegt inflationsbedingt auf sozioökonomisch schwächeren Familien und die Tatsache, dass Marketing rund um Weihnachten schon fast wie eine Schuldenfalle wirkt, erhöht den Druck nur weiter. Der zunehmend kommerzielle Charakter von Weihnachten hat zur Folge, dass viele Familien, bei denen das Geld eher knapp ist, Verzicht und Ausgrenzung erfahren. Kinder, die kurzfristig krank werden, um sich nicht der Scham hinzugeben, dass sich ihre Eltern den gemeinsamen Ausflug mit der Schulklasse auf den Weihnachtsmarkt nicht leisten können oder weil sie auch das Wichtelgeschenk für den Schulkameraden nicht finanzieren können. Solche Sachen sind die Folge einer stark monetär geprägten Weihnachtszeit, die ihren Charakter als Fest der Liebe immer mehr verliert.
Ein weiterer negativer Aspekt, der mit übermäßigem Konsum und auch mit der erhöhten Reiseaktivität einhergeht, sind die Auswirkungen auf die Umwelt. Über die Feiertage produzieren wir Deutschen etwa 400 Millionen Tonnen Abfall - und das jedes Jahr. Zurückzuführen ist diese Menge an Müll auf Geschenkpapier, von dem wir, wenn wir es nebeneinander ausbreiten würden, jährlich rund 7.000 Fußballfelder benutzen, Lebensmittel, die zu großzügig eingeplant wurden und dann am Ende doch weggeworfen werden müssen und schließlich etwa 30 Millionen Weihnachtsbäume, die ebenfalls auf dem Kompost landen. Letztere wurden dabei häufig mit umweltschädlichen Pestiziden behandelt, was weder für Tiere noch für den Boden gute Folgen hat, weshalb Weihnachtsbäume auch größtenteils verbrannt werden.
Fazit
Beeindruckend ist, dass ein einzelner Feiertag und seine Vermarktung so einen großen Einfluss auf die Wirtschaft nehmen kann. Für viele Unternehmen ist die Weihnachtszeit eine Chance, große Gewinne zu erzielen und die hohe Nachfrage bringt dazu viele andere Vorteile, wie auch die Schaffung von Arbeitsplätzen mit sich.
Dennoch sollten die negativen Aspekte bedacht und das Bewusstsein für unser Konsumverhalten gestärkt werden, um langfristig nachhaltigere Praktiken zu fördern.
Weihnachten ist nur eines von vielen Beispielen, wie unsere Wirtschaft mit der Jahreszeit zusammenhängt, wenn auch das größte - noch dazu mit kuriosen Folgen, wie Lebkuchen im September…
Wenn du mehr über den Zusammenhang zwischen Wirtschaft und Weihnachten erfahren möchtest, empfehlen wir dir diesen Podcast von “Zehn Minuten Wirtschaft”.
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